Das Landratsamt Emmendingen sowie die Städte und Gemeinden im Landkreis beteiligen sich am Montag, 22. Juni 2026, am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“. Der Aktionstag ist zwischen den kommunalen Spitzenverbänden bundesweit abgestimmt und soll mit vielen gleichzeitigen Aktionen vor Ort auf die angespannte Finanzlage der Kommunen aufmerksam machen.
„Kommunen und Landkreise sichern den Alltag der Menschen – in Kitas und Schulen, beim Öffentlichen Nahverkehr, in Krankenhäusern, in der Jugendhilfe, bei Feuerwehr und Rettungsdienst, in Kultur und Sport, bei Straßen und Infrastruktur sowie in Bürgerdiensten und Verwaltungen“, betont Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin von Freiamt und Kreisverbandsvorsitzende im Gemeindetag Baden-Württemberg für den Landkreis Emmendingen. „Wenn Kommunen finanziell am Limit sind, betrifft das uns alle, und zwar in allen Lebensbereichen.“
Hintergrund des Aktionstags ist nach Angaben von Landratsamt und Kommunen eine historische kommunale Finanzkrise. Bundesweit verzeichneten die Kommunen 2025 ein Rekorddefizit von mehr als 30 Milliarden Euro. In Baden-Württemberg können 32 von 35 Landkreisen ihre laufenden Ausgaben nicht mehr aus eigenen Erträgen decken. Das entspricht 91 Prozent der Landkreise. Dazu gehört auch der Landkreis Emmendingen.
Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 seien die Kassenkredite der baden-württembergischen Landkreise um nahezu 80 Prozent gestiegen. Der Zuschussbedarf im Sozialbereich, insbesondere für Eingliederungshilfe und Jugendhilfe, steige 2026 erneut um 8,1 Prozent.
Auch der Landkreis Emmendingen und seine Kommunen spüren diese Entwicklung unmittelbar. Die stetig wachsenden Pflichtaufgaben im sozialen Bereich binden immer mehr finanzielle Mittel. Für freiwillige Leistungen und Investitionen, etwa in Schulen, Straßen und den öffentlichen Nahverkehr, bleibt nach Angaben der Kommunen kaum noch Spielraum.
Der Sparzwang treffe die Bürger konkret. Genannt werden weniger Busse und Bahnen, sanierungsbedürftige Schulgebäude, marode Straßen, längere Wartezeiten in Ämtern und eingeschränkte Angebote für Jugendliche und Familien. Landratsamt und Kommunen im Landkreis Emmendingen fordern deshalb von Bund und Land schnelle und nachhaltige Entlastungen sowie strukturelle Reformen, damit die kommunale Handlungsfähigkeit gesichert bleibt. An den Bund richtet sich die Forderung, den kommunalen Anteil an der Umsatzsteuer befristet um zehn Prozentpunkte anzuheben.
„Ich begrüße ausdrücklich die Formulierung im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung, dass sich das Land an den steigenden Kosten der Eingliederungshilfe substantiell beteiligen will. Entscheidend ist jetzt aber, dass dieser Zusage schnell konkrete Taten folgen – verlässlich und planbar“, sagt Landrat Hanno Hurth.
Mit der Beteiligung am Aktionstag wollen Landkreis und Kommunen die Öffentlichkeit informieren und zugleich ein klares Signal an Bund und Land senden. Ohne eine aufgabenangemessene Finanzausstattung drohten weitere Einschnitte zulasten der Menschen vor Ort.
