Leichte Belebung am südlichen Oberrhein

Vorstellung des IHK-Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg: Alwin Wagner, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK (links), und Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Messebauers Externe Messeabteilung.
Foto: IHK SO, Johanna Kaiser

Seit langer Zeit hoffen die Unternehmen am südlichen Oberrhein auf eine nachhaltige und kräftige konjunkturelle Belebung. Dass sich diese Hoffnung bislang nur teilweise erfüllt, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein. Zwar bewerten wieder mehr Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage positiv, von einer echten Trendumkehr kann jedoch nicht gesprochen werden. Als Grund werden unter anderem ausbleibende politische Reformen genannt.

„Das Jahr 2026 beginnt für die Wirtschaft am südlichen Oberrhein mit einer Belebung. Hier spiegeln sich die positiveren Erwartungen der Unternehmen aus dem Herbst wider“, sagte Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, bei der Vorstellung des Konjunkturberichts in Freiburg. Über alle Branchen hinweg werde die Geschäftslage besser eingeschätzt als zum Jahresende 2025. Der Index der Geschäftslage steigt um acht Punkte auf nun 13 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. 31 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut, 17 Prozent zeigen sich unzufrieden.

Mit Blick auf die kommenden Monate bleibt die Stimmung jedoch gedämpft. „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf. Dann könnten wir auch von einer echten Trendwende sprechen. Aber genau das sehen wir nicht“, so Wagner. Der Index der Geschäftserwartungen sinkt von minus drei Punkten im Herbst auf minus sieben Punkte zum Jahresbeginn. Nur 15 Prozent der Unternehmen rechnen 2026 mit besseren Geschäften, 22 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Wagner spricht von einem „schmalen Fundament“ für positive Impulse und verweist auf hinter den Erwartungen zurückgebliebene Reformbemühungen der Regierung sowie politisch zugespitzte Debatten, die viele Unternehmer enttäuscht hätten.

Zurückhaltung zeigt sich auch bei den Investitionen. Der Index der Inlandsinvestitionen liegt zum vierten Mal in Folge im negativen Bereich und sinkt auf minus sechs Punkte. In den Jahren 2010 bis 2019 hatte er nahezu durchgängig im Plus gelegen. 65 Prozent der Unternehmen nennen Ersatzbedarf als wichtigstes Investitionsmotiv, nur noch 14 Prozent planen Kapazitätserweiterungen – der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009.

Als größtes Risiko wird weiterhin die Inlandsnachfrage gesehen. 64 Prozent der Befragten stufen sie als Risiko ein und erreichen damit erneut den Spitzenwert vom Herbst 2024. Auch die Arbeitskosten bereiten Sorge. Knapp 60 Prozent sehen sie als Risiko, unter anderem wegen steigender Löhne, höherer Sozialabgaben und der Erhöhung des Mindestlohns.

Diese Entwicklung spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt wider. Der Beschäftigungsindex sinkt auf minus 14 Punkte. 24 Prozent der Unternehmen planen Stellenabbau, lediglich zehn Prozent rechnen mit zusätzlichem Personalbedarf. Im Januar 2026 waren im Kammerbezirk 28.297 Menschen arbeitslos gemeldet, 6.473 mehr als vor vier Jahren. Wagner verweist auf die diversifizierte Wirtschaftsstruktur der Region als stabilisierenden Faktor, sieht aber dennoch steigende Arbeitslosigkeit als Herausforderung.

Auch international zeigen sich Unterschiede. Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Unternehmens Externe Messeabteilung, berichtet von einer deutlich positiveren Grundstimmung in Ländern wie Indien oder Argentinien. Die Investitionszurückhaltung deutscher Unternehmen sei angesichts unsicherer Rahmenbedingungen nachvollziehbar, so Brotte. Dies betreffe auch Messeauftritte, bei denen deutsche Aussteller mit reduzierten Budgets agierten.

Mit der Standortkampagne „Hier geht was!“ setzt die IHK Südlicher Oberrhein in dieser schwierigen Phase auf positive Impulse. „Wir haben tolle Unternehmen und viele Stärken am südlichen Oberrhein. Genau das möchten wir 2026 in den Vordergrund stellen“, sagte Wagner. Die Kampagne stellt erfolgreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport als Botschafter vor, darunter Viktoria Fuchs, Birte Hackenjos, Dr. Dorothea Helmer und Roland Mack. Ergänzt wird die Initiative durch den Podcast „Boss Storys“, in dem Akteure aus der Region über ihre Erfahrungen berichten.

Die IHK Südlicher Oberrhein vertritt rund 75.000 Mitgliedsunternehmen vom Kleinbetrieb bis zum Weltmarktführer und versteht sich als Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung.

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